SDG 10: Verringerung von Ungleichheiten bei den Dayak in Westkalimantan

Erfahrungen der Dayak durch lokale wirtschaftliche Stärkung im Ketapang-Distrikt in Westkalimantan

In den frühen neunziger Jahren haben das Dayakologi Institut und Pancur Kasih Empowerment Movement (GPPK) damit begonnen, die Praxis der nachhaltigen Entwicklung durch die Einführung eines lokalen wissensbasierten ganzheitlichen Empowerment-Konzepts zu fördern. Dabei ging es um eine ganzheitliche Stärkung der indigenen Dayak im Landesinneren des Distrikts Ketapang, Provinz West-Kalimantan in Indonesien. Die Dayak haben nur begrenzten Zugang zu Entwicklung, d.h. sie haben kaum Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitswesen, Elektrizität, Transport und finanziellen Institutionen und auch nicht zu natürlichen Ressourcen, die für ihren Lebensunterhalt fundamental sind.

Unternehmen, die Genehmigungen für die Nutzung von Wäldern, für Industrieplantagen und große monokulturelle Plantagen erhalten hatten, sind seit Anfang der 1970er Jahren auf dem Gebiet der Dayak im Distrikt Ketapang tätig. Im Namen von Entwicklung haben diese Unternehmen das Land, den Wald und die Lebensgrundlagen der Dayak ausgebeutet und die Profite nach außen abgeführt. Die massive Ausbeutung führte nicht zu Wohlstand, sondern zu Ungerechtigkeit und Armut für die indigenen Dayak sowie zu ökologischer Zerstörung und der Degradierung ihrer Traditionen, Gebräuche und Kultur. Im Distrikt Ketapang liegt die – im Vergleich zu 9 anderen Distrikten – größte Palmölplantage in West Kalimantan mit einer Fläche von 1,1 Millionen Hektar, wie die Daten des Plantagenamtes von West Kalimantan (2009) zeigen.

ERFAHRUNGEN: DIE STÄRKE EINER KULTUR DER ZUSAMMENARBEIT

Das Dayakologi Institut (ID), das direkt an der Basis der Gemeinden arbeitet, reagierte auf diese Umstände mit der Suche nach Lösungen, die auf lokalen Wissenswerten basieren. Das ID nutzt dabei den Geist der Solidarität und Selbstbestimmung, der seit Langem in den Gemeinschaften der Dayak gewachsen ist und der die Stärke einer kulturellen Strategie für die wirtschaftliche Stärkung der Menschen durch die Credit Union Bewegung bildet. Dies ist der einzig richtige Weg. Warum? Weil es sich bei der Credit Union (CU) Bewegung  um ein Konzept der wirtschaftlichen Stärkung handelt, das auf Kooperation, Selbstbestimmung und Bildung beruht und das sich an physischen und moralischen Veränderungen orientiert. So hat ID eine ganzheitliche und integrierte Empowerment-Bewegung gestartet. Um nicht Gefahr zu laufen eine geschäftsorientierte Institution zu werden, basiert CU auf der Bauernphilosophie der Dayak, nach der sie ihre Farmen bewirtschaften, um vier Grundbedürfnisse zu erfüllen: (1) Essen und Trinken (Überlebensbedürfnisse), (2) Anbau und Lagerung von Saatgut (Nachhaltigkeitsbedürfnisse), (3) Soziale Solidarität (Sozialbedürfnisse) und (4) Ritual – Spiritualität (Spiritualitätsbedürfnisse). Dieses Konzept begann mit A.R. Mecer – einer Dayak Persönlichkeit aus Kalimantan.Dayak

Frühe Service -Station von CU Gemalaq Kemisiq, die der traditionellen Architektur der Dayak Jalai folgt und die Form einer Scheune für Reis hat, die lokal als Jurung bekannt ist.

Das auf der Bauernphilosophie beruhende Konzept der Credit Union Bewegung wurde dann nach einem der indigenen Helden benannt, die gegen die Ungerechtigkeit kämpften – Gemalaq Kemisiq. Dieses ist das Konzept der CU-Bauernbewegung von Gemalaq Kemisiq, besser bekannt als CU Gemalaq Kemisiq (CU GK), die 1999 gegründet wurde und seitdem in Betrieb ist. Bis 2019 erbrachte die CU GK Dienstleistungen für ihre 18.588 Mitglieder, verteilt auf 10 Unterbezirke oder Dienstleistungsbereiche. Die Gesamtzahl der Aktivisten beträgt 66 Personen. Die Ideologie und alle Dienste von CU GK basieren auf der Lebensweisheit der kalimantanischen Bäuer*innen.

Mithilfe von CU GK werden die indigenen Mitglieder finanziell unabhängig und können die Ungerechtigkeiten, die sich aus der Entwicklungspolitik und Ausbeutung ergeben, verringern, indem sie:

  • ihr angestammtes Territorium und Land schützen und es nicht an Außenstehende verkaufen;
  • alternative wirtschaftliche Quellen mit ihren eigenen Fähigkeiten verwalten;
  • ihr Heimatdorf – kampong – selbst bauen;
  • ihre Kinder zur Hochschulbildung schicken und
  • Schwierigkeiten lösen, wenn ihre Familienmitglieder krank werden oder sterben.

Darüber hinaus können indigene Völker ihre Bräuche frei praktizieren und verfügen über finanzielle Mittel, um die Aufrechterhaltung solcher Bräuche und Traditionen zu finanzieren.

Im Jahr 2007 gründete CU GK mit Unterstützung des Instituts Dayakologi die Allianz der indigenen Jalai Kendawangan (AMA-JK). Diese indigene Organisation hat die Aufgabe, 10 gestärkte Kampongs (KB) im Distrikt Ketapang, in denen indigene Gruppen der Dayak wie die Jalai, Kendawang und Pesaguan leben, direkt zu unterstützen. Die CU GK unterstützte das Programm von AMA-JK mit der Schaffung eines für zinsgünstige Kredite bestimmten Agrarsparprogramms (PAKAR), um die Bemühungen zur kulturellen und ökologischen Wiederherstellung der 10 Kampongs zu fördern. Die Kultur der Zusammenarbeit zwischen CU GK, dem Institut Dayakologi und AMA-JK wurde bis heute kontinuierlich intensiviert. CU GK ist sich voll und ganz bewusst, dass die Kraft der Zusammenarbeit eine wichtige Strategie ist für die nachhaltige Unterstützung der mehr als 18.000 Mitglieder in 10 Dienstleistungsbereichen, um Armut und Ungleichheit zu bekämpfen. Ein älterer Aktivist der CU GK sagte zu dem Autor: „Wir müssen echte Aktionen für unsere Gemeinde durchführen, egal welche Herausforderungen es gibt. Wenn nicht wir, wer sonst?“ Ein Beispiel für inspirierende und kraftvolle soziale und ökologische Resilienz indigener Gemeinden.

vom Institut Dayakologi – deutsche gekürzte Version Sabine Schielmann

Lesen Sie hier den englischen Originaltext des Institut Dayakologi.

 

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